Die Stärke des Social Webs ist es, Menschen nicht nur innerhalb desselben zu vernetzen, sondern auch themenfokussiert auf Veranstaltungen zusammenzubringen. Aus diesem Grund fuhr ich am Freitag auf das Google Plus Camp nach Essen, einem Barcamp, das sich allein um Googles soziales Netzwerk dreht. Meine Erwartung war, mehr über Google Plus zu erfahren. Endlich alle technischen Features zu kennen, die Google Plus so besonders machen. Das Camp verließ ich jedoch mit der Feststellung, dass ich über die technischen Feinheiten und Unterschiede zu anderen sozialen Netzwerken ganz gut Bescheid wusste. In dieser Hinsicht habe ich also nichts dazu gelernt. Warum ich trotzdem nicht enttäuscht bin? Weil dafür ganz andere Fragen auftauchten, Probleme erkannt und andere wichtige Dinge bewusst wurden. Ein paar Teile davon möchte ich aufgreifen und Ihnen mit diesem Artikel näher bringen.

Für wen ist Google Plus?

Vor allem für jene, die sich beruflich oder privat sehr stark mit dem Internet auseinander setzen – so der allgemeine Eindruck. Aber auch Fotografen und alleinerziehende Väter sollen sich dort rege in Gruppen (bei Google Plus: „Communities“) austauschen, was zeigt, dass diese Frage nicht eindeutig geklärt werden kann. Es kommt wie immer auf die Zielgruppe an! Außerdem liegt gerade in der unbesetzten Nische die Chance, aber darauf komme ich später noch einmal zurück.

Was unterscheidet Google Plus von den anderen sozialen Netzwerken?

Facebook ist für die Freunde, Twitter für das Verfolgen von News und Google Plus für Themen – so eine Erkenntnis aus den letzten beiden Tagen. Besonders die GooglePlus Communities und die Google Hangouts (Video-Konferenzen) zeigen auf, dass sich hier Menschen aufgrund eines gemeinsamen Interesses an einem bestimmten Thema zusammenschließen oder miteinander vernetzen.

Warum findet Google in Deutschland bisher noch so wenig Beachtung?

Hier kann man nur Vermutungen aufstellen. Was ich beim GooglePlus Camp so raushörte, war die fehlende „Andockstelle“ (API, Application Programming Interface) mit denen Entwickler Apps, Gewinnspiele und Werbung, erstellen können. Maßnahmen, die für höhere Reichweiten sorgen, aber auch die Gefahr des SPAMs in sich tragen. Dass Google sich das Netzwerk nicht mit schmutzigem Content verderben lassen möchte, ist nachvollziehbar. Im Gegenzug muss man sich aber auch bewusst sein, dass rein organisches Wachstum viel länger braucht.

Darum sollte man Google Plus nutzen

Weil das Netzwerk noch so unbesetzt ist und man wunderbar seine eigene Nische besetzen kann: Keiner zweifelt daran, dass ein GooglePlus-Profil Auswirkungen auf das Ranking in der Suchmaschine aus dem selben Haus haben wird. Dass das in Zukunft eher noch wichtiger sein wird, bezweifelt auch keiner. Eher wurde die Befürchtung laut, dass diejenigen, die jetzt Google Plus vollkommen ignorieren, den Rückstand möglicherweise gar nicht mehr aufholen können, wenn sich die Wettbewerber schon zum eigenen Thema wunderbar positioniert und Communities zum Leben gebracht haben. Deshalb mein Rat: Schauen Sie sich an, inwiefern Google Plus für Ihr Unternehmen interessant sein könnte. Wenn Sie zu dem Schluss kommen, nutzen Sie die Chance und besetzen Sie diese Nische. Bauen Sie sich langsam aber stetig einen Namen auf und vernetzen Sie sich mit Ihren Kunden, Interessenten und Lieferanten.


Weil es Traffic auf die eigene Website bringt: Facebook bringt von den sozialen Netzwerken zwar aktuell noch allein aufgrund der schieren Reichweite die meisten Besucher auf die Website (60%), doch GooglePlus holt auf. Je nach Thema des Blogs oder der Website kann der Social Traffic von GooglePlus bis zu 20% betragen und liegt dann gleichauf mit Twitter. Man darf gespannt sein, wie sich das in Zukunft noch entwickelt. Auf jeden Fall waren sich die Teilnehmer des Google Plus Camps einig, dass man, wenn man Social Sharing Buttons in seinem Blog einfügt, nach Facebook und Twitter an dritter Stelle den +1 Button anbieten sollte.

Weil der Autor eines Textes relevant werden wird: Haben Sie schon ein mal ein Suchergebnis in Google entdeckt, bei dem Ihnen neben dem Ergebnis direkt ein Foto des Autors angezeigt wurde? Dies kommt nur zustande, weil der Autor sein GoolePlus-Profil mit dem Artikel verknüpft hat, er sich also direkt bei Google als Verfasser des Textes offenbart. Denn: Ein Text ist nicht automatisch gut, weil er viel verlinkt wurde (also viele Links von anderen Seiten bekommt). Solche Backlinks sind stark fälschungsanfällig. Google hat ein Interesse daran, dass wir alle die Suchmaschine auch weiterhin nutzen. Dies geht nur, in dem die Suchergebnisse hochwertig sind, uns also einen Mehrwert liefern, genau das, nach dem wir gesucht haben. Dadurch, dass Google den Verfasser des Textes durch die Verknüpfung mit seinem GooglePlus-Profil mehr in den Vordergrund stellt, hat der Nutzer, der die Suchanfrage stellt, eher die Chance, zu beurteilen, ob dieser Autor vertrauenswürdig ist, weil er das Profilbild vielleicht schon auf anderen Seiten gesehen hat. Die Verknüpfung ist zudem weniger fälschungsanfällig: Man muss einerseits im Google Plus Profil eintragen, für welche Seiten man schreibt, aber auch auf der Seite muss im Code hinterlegt sein, dass man Autor für diese Seite ist. Einfach gesagt: Ich kann nicht mal eben behaupten, dass ich für eine hoch besuchte Seite wie den SPIEGEL schreibe und mir dadurch Relevanz oder Vertrauen „erkaufen“.

 

Das nehme ich vom Google Plus Camp mit

Zunächst einmal den Plan, mein Profil wieder zu reaktivieren, und wenn es nur dadurch geschieht, dass ich einfach meine Links zu Blogposts rausschubse. Bisher bin ich vor dieser simplen Nutzung zurückgeschreckt, weil ich auf GooglePlus gerade die hochwertigen Diskussionen und Kommentare schätze, für die es Zeit und EInsatz braucht. Diesen Perfektionismus werfe ich jetzt über Bord und möchte einfach wissen, ob ich auch über Google Plus Besucher auf meinen Blog locken kann. Im zweiten Schritt möchte ich dieses Blog mit meinem GooglePlus-Profil verknüpfen, um zu testen, ob ich damit das Ranking in der Suchmaschine Google erhöhen kann. Wer das auch tun möchte, findet mehr Infos zum Authorrank übrigens bei Socialflash und eine konkrete Anleitung bei Elmastudio. Vielen Dank an Stefan Evertz und Björn Tantau für die Organisation des Barcamps sowie die anderen Teilnehmer, die mir diese Erkenntnisse gebracht haben.

Diskussion in kleiner Runde

Diskussion über die zukünftigen Herausforderungen von Social Media Managern in kleiner Runde

Weitere Berichte und Links vom Google Plus Camp:

„Kreislinge… oder warum Google+ doch kein Alien-Social-Network ist“ von Gerhard Schröder

Die Seite GPlusCamp auf Google+

 

15 Responses to Google Plus – das unterschätzte soziale Netzwerk
  1. Hallo Ute,

    schöner Bericht.
    Wobei ich mich mal weit aus dem Fenster lehnt und sage, Apps wie bei fB wird es bei G+ noch lange nicht geben. Wenn überhaupt!

    Die fehlende API ist für mich auch kein Grund warum das Netzwerk nicht so angesehen ist wie wie fB. Aber das wird hier nun zu lang 😉

    • Hi Sebastian,
      danke für deinen Kommentar. Du kannst das, was hier zu weit führen würde, ja auch noch mal in einem Blogbeitrag aufarbeiten. Würde mich noch sehr interessieren!
      Grüße! Ute

  2. Hi Ute,

    danke für den interessanten Bericht! Lass uns doch mal einen Hangout machen 🙂

    LG aus Frankfurt

  3. […] Google Plus – das unterschätzte soziale Netzwerk – (von Ute Klingelhöfer) […]

  4. […] Google Plus – das unterschätzte soziale Netzwerk – (von Ute Klingelhöfer) […]

  5. Vielen Dank für diesen informativen Bericht! Ich habe mich bisher sehr wenig mit Google+ beschäftigt, das sollte ich aber wohl ändern 😉

  6. Hallo Ute,

    vielen Dank für den Überblick zum Camp und den Link auf meinen Blogartikel!

    LG, Frank

  7. Hallo Ute,
    danke für den informativen Artikel.

    Irgendwie finde ich es auch gut, dass nicht Hinz und Kunz G+ nutzt und es so zu seichtem Wasser verkommt.

    Lieben Gruß
    Dougi

  8. Hallo Ute,

    vielen Dank für diesen Informativen Beitrag. Im Moment beschäftigen wir uns auch mit Google Plus, und erhoffen uns durch die Nutzung natürlich auch ein besseres Ranking in der Suchmaschine. Nutzt Du Google Plus rein Privat, oder als Unternehmen? Gibt es bei Dir schon eine nachweisliche veränderung im Ranking?

    L:G. Micha

  9. Suche nach „Google Plus“ und bereits der 5. Beitrag führt auf Utes Seite 🙂 Finde ich toll!

    Da ich selbst mehr auf Facebook unterwegs bin, ist Google+ für mich eher gewöhnungsbedürftig. Gekachelter Stream, Beiträge von Personen, die ich nicht in meinen Kreisen habe. Es wirkt noch etwas wirr. Positiv fällt aber auf, dass man keine 343405490 Anfragen zu Anwendungen in den Benachrichtigungen findet.

    Für Unternehmensseiten fehlt mir persönlich ein bisschen die Gestaltungsfreiheit, was individuelle Inhalte angeht. Facebook-Seiten lassen sich durch Apps nahezu beliebig erweitern. Für Google+ habe ich derartiges noch nicht gefunden. Bin gespannt, was noch kommt.

  10. Hallo Ute, danke für diesen Beitrag. Mir fielen immer öfter die „Über den Autor“ Kästen auf Blogs auf und natürlich die Bildchen in Google SERPs. Jetzt ist mir klar wie das zusammenhängt. Aber der „Über den Autor“ Kasten, ist das eine Beschreibung, die im G+ Profil eingetragen ist und automatisiert unter jeden Beitrag eingefügt wird? Oder ist das ein manuell von dir erstellter Kasten und nur der Link zu G+ ist wichtig?

    • Ute Klingelhöfer 25. Juli 2013 at 15:11 Antworten

      Hallo Sofian, der Kasten ist nicht manuell erstellt, das ist die „Über den Autor“-Box von WordPress, bei der du einstellen kannst, ob du sie anzeigen möchtest oder nicht. Den Hinweis zu deinem Google-Profil kannst du auch im Benutzerprofil angeben, ohne die Box zu veröffentlichen. Viele Grüße!


[top]

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.