Die Zeiten, in denen Twitter als Kommunikationskanal nicht ganz so ernst genommen wurde, sind definitiv vorbei. Der Mikroblogging-Dienst ist heute in vielen Teilen der Welt ein etablierter Player in der Social Media Landschaft. Für das Marketing eignet sich Twitter, um Zielgruppen in unterschiedlichen Ländern zu erreichen. Allerdings sollte man dabei planvoll vorgehen, um mit viel Engagement auch viel zu erreichen. Eine der wichtigsten Entscheidungen lautet deshalb am Anfang: Jede Sprache, in der man kommuniziert, muss ihren eigenen Twitter-Account bekommen. Das hat zwar nicht nur Vorteile, aber die Vor- überwiegen die Nachteile deutlich.

Twitter – für jede Sprache ein Account

Wer vielen Menschen auf Twitter folgt, dem fliegen die Kurznachrichten nur so um die Ohren. Das kann bisweilen geradezu verwirrend sein. Die meisten Twitter-Nutzer neigen deshalb dazu, bisweilen diejenigen Twitterer im Rahmen einer Aufräumaktion auszusortieren, die ihnen nichts Relevantes mitzuteilen haben. Stößt ein Twitter-Nutzer bei solch einer Aktion auf einen Account, der ihm viele Tweets in einer Sprache präsentiert, die er gar nicht versteht, steigt die Gefahr, dass er schon bald nicht mehr zu den Followern dieses Accounts gehört.

Aus genau diesem Grund sollten diejenigen, die in mehreren Sprachen twittern, für jede Sprache einen eigenen Twitter-Account pflegen. So ist sichergestellt, dass die Verbreitung von Information via Tweet nicht bereits an sprachlichen Barrieren scheitert. Und es gibt noch einen zweiten Grund, warum es vorteilhaft ist, für jede Sprache einen eigenen Account zu schaffen: Der Twitter-Auftritt lässt sich so besser an die Kultur des jeweiligen Landes anpassen, dessen Twitter-Nutzer man erreichen möchte.

Lokalisieren bitte!

In Ländern mit unterschiedlichen Kulturen existieren auch unterschiedliche Tabus. Teils haben Symbole und Gesten eine unterschiedliche Bedeutung. Es gibt verschiedene Grenzen und Regeln, etwa für die Darstellung von Erotik und für Humor: Was die einen für anregend erotisch halten, ist für die anderen bereits obszön. Und was die einen mehrheitlich komisch finden, wird bei der Mehrheit der anderen Kultur vielleicht als geschmacklos eingestuft. Das muss man berücksichtigen, wenn man mehrsprachig auf Twitter unterwegs ist.

Für unterschiedliche Sprachen und Kulturräume jeweils eigene Accounts einzurichten, gibt einem die Chance, sich mit Tweets, Bildern und Videos auf Twitter an Follower zu wenden, ohne dabei immer den kleinsten gemeinsamen Nenner des Akzeptablen zu finden, also Inhalte, die in jeder Kultur zumindest von den meisten Twitter-Nutzern toleriert werden.

Schließlich gibt einem ein eigener Account für jede Sprache auch die Möglichkeit, aktuelle Themen intensiver aufzugreifen, die vielleicht in einem Land breit diskutiert werden, im anderen Land aber völlig bedeutungslos sind. Würde das über einen einzigen Twitter-Kanal laufen, würde man für viele Follower nicht nur sprachlich Unverständliches, sondern auch inhaltlich Irrelevantes produzieren. Hat jede Sprache ihren eigenen Account, besteht diese Gefahr nicht. Ratsam sind unterschiedliche Inhalte für die verschiedenen Accounts dennoch nur in Maßen, weil ansonsten der Aufwand für die Pflege der unterschiedlichen Accounts immens steigt (siehe: Risiken bei der Nutzung verschiedener Twitter-Accounts).

Im Extremfall gönnt man jedem Twitter-Account eine eigene kleine Social Media Redaktion, die sich um einen optimalen Twitter-Auftritt in der jeweiligen Sprache und Kultur kümmert. Das steigert den Aufwand für die Pflege mehrsprachiger Accounts jedoch immens, womit wir dann bei Risiken der Nutzung verschiedener Twitter-Accounts wären.

Twitter-Accounts effizient verwalten

Das größte Risiko bei der Pflege mehrere Twitter-Accounts wurde bereits angedeutet: Der Aufwand für die Aktivitäten auf Twitter kann immens steigen: Schließlich müssen nun auf mehreren Twitter-Accounts nicht nur regelmäßig Tweets, sondern am besten auch noch Bilder und Videos veröffentlicht werden. Zudem hat jeder Account seine eigenen Follower, mit denen Kommunikation gepflegt werden sollte. Das alles macht Arbeit. Und je eigenständiger die jeweiligen Accounts inhaltlich werden, desto größer wird der Aufwand. So etwas führt schnell zur Überforderung.

Kleinere Unternehmen mit mehreren Accounts und eher wenig freien Kapazitäten für Social Media sollten daher weitgehend darauf verzichten, für jeden Twitter-Account komplett eigene Inhalte zu erstellen. Stattdessen sollten sie vielmehr vor allem auf Inhalte setzen, die sich in allen Sprachen und Kulturen problemlos und erfolgversprechend verbreiten lassen.

Ist Twitter die Mühe wert?

Das bisher Geschriebene zeigt deutlich, dass mehrsprachige Twitter-Nutzung aufwändig ist. Sollte man daher nicht besser darauf verzichten? Eine pauschal für alle Leser passende Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Twitter kann (!) beispielsweise für Unternehmen, die fremdsprachige Zielgruppen anpeilen, ein gutes Instrument sein, unter anderem, weil die Nutzung von Mikrobloggingdiensten wie Twitter in einer Reihe von Ländern deutlich intensiver ist als in Deutschland. Beispiele dafür:

  • Laut „The Business of Social“, der sechsten Welle (Wave6) der internationalen Social Media Studie von Universal McCann (UM) gaben 15,9 Prozent der befragten Deutschen an, innerhalb der letzten sechs Monate einen Mikroblogging-Dienst wie Twitter genutzt zu haben. Dasselbe sagten beispielsweise 22,1 Prozent der US-Amerikaner, 24,8 Prozent der Spanier, 42,9 Prozent der Inder, 62,9 Prozent der Briten und gar 71,5 Prozent der Chinesen.
  • Laut Alexa.com stammen 27 Prozent aller Twitter-Nutzer aus den USA. Es folgen die Länder Indien, Japan und Großbritannien.
  • Laut einer Analyse von Statista und ComScore aus 2012 erreicht Twitter in den Niederlanden 35 Prozent der Bevölkerung; Platz 1 im Ranking. Es folgen die Türkei, Japan, Venezuela und Indonesien.
  • Laut Social Media Analyse von Vincenzo Cosenza, der regelmäßig eine Social Media Weltkarte veröffentlicht, war  Twitter im Sommer 2012 beispielsweise in Großbritannien, Japan, Schweden und den USA zweitgrößtes Social Media Netzwerk hinter Facebook.

In einigen Ländern ist die Chance also besonders groß, viele Menschen via Twitter zu erreichen. Gehören Menschen aus einigen dieser Länder zur eigenen Zielgruppe, werden mehrere Twitter-Accounts in verschiedenen Sprachen schon einmal schnell zu einem Aufwand, der sich durchaus lohnt.

 

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Christian Arno, Gründer und Geschäftsführer von Lingo24. Mit seinem internationalen Übersetzungsbüro ist er auf drei Kontinenten tätig. Lingo24 finden Sie auf Twitter unter @l24de.

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